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Technik: Die sechste Generation

Wenn ein neuer Scania der Öffentlichkeit vorgestellt wird, ist das für viele
Lastwagen-Interessierte ein ganz besonderer Moment. Hier ein Bericht und Fotos von der Vorstellung des neuen Typ R in Södertälje Anfang April 2004:

Was hat es über den neuen Scania nicht alles für Gerüchte gegeben. Jetzt endlich steht er vor mir und ich bin eingeladen, verschiedene Versionen zur Probe zu fahren. Auf dem Prüf- und Demogelände des Herstellers in der Nähe des Hauptwerks warten gleich rund zwei Dutzend Lastwagen des neuen Typs, vom 380 PS starken Eurosattel bis zum schweren 60-Tonner schwedischer Bauart mit 580 PS.

Nachdem die letzten fünf Scania-Generationen (Baureihen 0 bis 4) in fremden Designstudios entworfen worden waren, ist der Neue, nun nur noch Typ "R" genannt, das erste Modell, das komplett im Unternehmen gestaltet wurde. Von außen ist der Unterschied gar nicht so groß, eher weiter entwickelt statt revolutioniert wirkt das Äußere des großen Schweden. Augenfälligste Neuheit ist ein zusätzlich angebotenes Mittelhochdach, das sich viele Transportunternehmer als Kompromiss zwischen dem Standardfahrerhaus und der Luxuskabine gewünscht haben. Die Kabine ist glatter und windschnittiger, zusammen mit einer Gewichtsreduzierung von bis zu fünfeinhalb Zentnern soll der Dieselkonsum so um bis zu drei Prozent reduziert werden.

Neu sind flächige Xenonscheinwerfer, die es als Extra zunächst nur für den V8 zu kaufen gibt. Weitere augenfällige Neuheiten sind eine direkt am Rahmen verschraubte Sattelkupplung, eine nun mitsamt den runden Eckverkleidungen öffnende Frontklappe, ein Zusatz-Panoramaspiegel rechts oben über der
Frontscheibe und der ab Werk in mattsilber lackierte Kühlergrill. Die klappbaren Trittstufen unter der Tür, eine Besonderheit des Vorgängers, fallen weg, dafür gibt es weiterhin die gut isolierenden
Doppelglas-Seitenscheiben.


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Die größte Verwandlung hat sich im Innenraum vollzogen: Das Topliner-Frontbett gibt es nicht mehr, statt dessen warten alle Kabinentypen wieder mit dem klassischen Heckbett auf. Dessen Federkernmatratze ist bei vorgeschobenen Sitzen durchgängig 80 Zentimeter breit, zum Zurückschieben der Sitze werden rechteckige Polsterelemente hinter den Sitzen heraus
genommen.

  

Das obere Bett ist beim Standard- und Mittelhochdach-Fahrerhaus 60 Zentimeter breit, beim Topliner sind es 70 Zentimeter Breite. Sehr gelungen sind die aus Sicherheitsgesichtspunkten wertvollen Fangnetze, die Schlafende beim Bremsen halten, sich bei Nichtbenutzung aber klug verstauen lassen.
Sinnvoll ist auch die Lösung mit der Scherengitterleiter, die zum oberen Bett führt und sich komplett in den Rahmen des oberen Bettes einklappen lässt.

Doch was einen Lastwagenfahrer natürlich am meisten interessiert, ist der Arbeitsplatz am Lenkrad, und hier hat sich wirklich viel getan. Die Sitze sind vollkommen neu konstruiert und einfacher einzustellen. Statt des Zweiwegehebels der Lenkradverstellung übernimmt diese Funktion per
luftgesteuerten Entriegelung ein einfacher Druckknopf, dann hat man einige Sekunden Zeit, die Lenksäule stufenlos in Neigung und Höhe zu justieren. Das Lenkrad ist noch weicher geformt und griffiger geworden, in der besseren Version sind dort jetzt auch zahlreiche Funktionen wie die Steuerung von Tempomat, Bremstempomat und Bordcomputer zu bedienen. Da jetzt auch hier ein
Schubladentachograph über dem Kopf des Fahrers zum Einsatz kommt, wurden die Anzeigen und Rundinstrumente komplett neu gestaltet und in einer verglasten Einheit zusammen gefasst.

Der Scheibenwischer wird jetzt über einen Drehschalter am Blinkerhebel angestellt, rechts, wo er vorher war, sitzt jetzt je nach Ausstattung ein Kombihebel für Retarder und/oder die Opticruise-Schaltung. Die Schalter für das gesamte Licht und die Klimaanlage (jetzt mit Regelautomatik) sind
sinnvoll zusammen gefasst. Und wenn der Arm auf der Türauflage liegt, hat man die neuen Scheibenheberschalter und die Spiegelverstellung besser als beim Vorgänger im Griff.

Den Armaturenträger gibt es jetzt in zwei Breiten und wahlweise mit einem kleinen oder einem großen Bordcomputer. In der größeren Version kann der breite Bildschirm auch als Telefonbedienung mit so genannter Touchscreen-Bedienung (Fingerdruck auf Oberfläche) genutzt werden, in der Freizeit können auf dem schwenkbaren Bildschirm DVD-Filme betrachtet werden. Auch das Radio ist jetzt ? großer Fortschritt ? unten im Sichtfeld des Fahrers platziert.

Über dem Frontfenster zieht sich eine offene Ablage, darüber sind je nach Dachversion mehr oder weniger große Schränke untergebracht. Für die Fahrzeugpapiere gibt es ein schmales Fach mit passender Dokumententasche. Das Kabinenlicht ist zweistufig (Flut- oder Leselicht), dazu gibt es ein
rotes Dämmerlicht. Äußerst schwierig und kompliziert war beim Vorgänger die Bedienung der Standheizung. Dieses Teil wurde durch eine erfreulich einfache Kabelfernbedienung ersetzt, mit der sich auch ein Wecker und die Audioanlage steuern lassen.

Nun zum Fahren: Schon die letzten Fahrzeuge der Baureihe 4 hatten zuletzt einen neuen Schalthebel, mit dem die Gruppe nicht mehr mit einer Schiebemuffe, sondern mit einem Kipphebel geschaltet wird, das funktioniert nach kurzer Umgewöhnung einwandfrei.

Über den subjektiven Fahreindruck lässt sich sagen, das die Feinarbeit am Fahrwerk und die neue Hinterachs-Luftfederung Früchte getragen hat, das Fahrverhalten ist noch mal spürbar komfortabler geworden. Da die Kabine sieben Zentimeter höher sitzt und der Armaturenträger flacher ist, bietet
sich ein verbesserter Ausblick. Und statt des alten Lenkhebels kommt wegen des flacheren Kabinenbodens nun wieder ein echter Schaltstock zum Einsatz, fast doppelt so lang wie der des Vorgängers, mit dem sich die Gangwechsel leicht und präzise erledigen lassen.

Mehr zum neuen Fahrzeug soll ein Fahrbericht aussagen, der in einiger Zeit hier zu lesen sein wird.

Text und Fotos: Felix Jacoby

Galeriebilder: Klicken Sie auf die Bilder zum vergrößern.
       
       
       

© Der schwedische Greif 2004,Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung und Weiterverarbeitung nur mit ausdrücklicher Genehmigung .

 

 


 
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Die fünfte Ausgabe des Scania-Jahrbuches wird im September 2010 verfügbar sein.

Demnächst werden wir hier erste Bilder daraus zeigen.

   



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